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Artikel von BR24: 10.4.2026 Viele Schulsozialarbeitende denken ans Aufhören

Fast jede zweite Fachkraft in der Schulsozialarbeit denkt darüber nach, den Beruf aufzugeben. Das zeigt eine deutschlandweite Umfrage unter 5.000 Teilnehmenden. Die Ursachen: eine hohe Belastung und zu wenig Einbindung an den Schulen. Von Daniel Peter

 

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands, kurz htw Saar, hat im vergangenen Jahr 5.070 Sozialarbeitende deutschlandweit zu ihrer beruflichen Situation befragt. Auch wenn ein großer Teil mittlerweile unbefristet festangestellt ist, klagen viele über erhebliche Belastungen im Arbeitsalltag. 43 Prozent haben schon darüber nachgedacht, den Job aufzugeben.

 

Schulsozialarbeitende decken ein breites Aufgabengebiet ab

 

Sie helfen dabei, wenn es in der Klasse Schwierigkeiten gibt, beispielsweise mit Mobbing, geben präventive Kurse gegen Gewalt, kümmern sich aber auch um Themen wie Liebe und Sexualität. Die Bandbreite, die Schulsozialarbeitende deutschlandweit abdecken, ist groß, sagt Lars Bieringer, einer der beiden Studienautoren der htw Saar. Bieringer kennt sich mit dem Beruf gut aus, war selbst schon als Schulsozialarbeiter an Schulen aktiv. Zusammen mit seinem Kollegen Sebastian Rahn hat er die Studie erstellt.

 

Stellenausbau für Schulqualität wichtig

 

In den vergangenen Jahrzehnten hat es einen starken Ausbau an Stellen gegeben, sagt Juniorprofessor Sebastian Rahn. Das Arbeitsfeld sei mittlerweile etabliert. 85 Prozent der Fachkräfte seien festangestellt. Das sei eine positive Entwicklung. Auf der anderen Seite fehle es aber häufig an Konzepten, die speziell für das Einsatzgebiet der Sozialarbeitenden an den Schulen ausgerichtet sind.

 

Dass relativ viele darüber nachdenken, den Job an den Nagel zu hängen, sei damit verbunden, dass ein hoher Anteil unter emotionalem Stress steht und sich nicht genügend eingebunden und wertgeschätzt fühlt. Viele seien an den Schulen Einzelkämpfer, sagt Sebastian Rahn. Sie wünschten sich mehr Kollegen vor Ort, mit denen sie sich austauschen können. Bieringer ergänzt, dass viel von der Schulleitung abhänge - ein enger Austausch mit den Sozialarbeitenden bringe einen Nutzen.

 

Standortspezifische Konzepte wichtig für erfolgreiche Arbeit

 

Ähnliches berichtet Linda Summer-Schlecht, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit Bayern. Seit 2009 arbeitet sie selbst im Bereich der Schulsozialarbeit und liebt ihren Beruf. An einem Münchner Gymnasium gibt sie beispielsweise Inklusionskurse, unterstützt Schüler bei der persönlichen Entwicklung. Genau das sei heute immer wichtiger, nicht nur in der Schule, sondern auch im Berufsalltag.

 

Einige Kollegen berichten ihr aber, dass sie an den Schulen oft nicht gut eingebunden seien bzw. nur dann gebraucht würden, wenn schon "die Hütte brennt", es zum Beispiel zu Konflikten in der Klassengemeinschaft käme. Standortspezifisch mit den Fachkräften vor Ort und der Schulleitung der jeweiligen Schule ein Konzept zu erarbeiten, würde einen Wertschätzungsschub erzeugen, sagt Summer-Schlecht.

 

Großer Teil der Fachkräfte weiblich und festangestellt

 

Laut der Studie sind rund 80 Prozent der Schulsozialarbeitenden weiblich, die Altersgruppe 30 bis 49 Jahre ist am stärksten vertreten. Ein großer Teil sei unbefristet festangestellt und verfüge über eigene Räumlichkeiten. Etwa 20.000 Schulsozialarbeitende gibt es deutschlandweit, schätzen Bieringer und Rahn.

 

Auch wenn Schulsozialarbeit rechtlich verankert ist, klafft noch eine Lücke zwischen Anspruch und Realität, so die Studienautoren. Außerdem gibt es deutschlandweit keine einheitliche Herangehensweise. In Bayern beispielsweise hat sowohl das Kultusministerium als auch das Sozialministerium eigene Programme. Auch auf kommunaler Ebene gibt es Förderungen. Gerade hier ist es immer schwieriger, ausreichend Geld zu bekommen, sagt Summer-Schlecht. Viele Kollegen hätten deshalb die Sorge, dass ihre Stelle gestrichen wird, selbst in großen Städten wie München.

 

Austausch der Bundesländer untereinander wichtig

 

Die Studienautoren Lars Bieringer und Sebastian Rahn haben mittlerweile in verschiedenen Bundesländern Infoveranstaltungen zu den Studienergebnissen gemacht - mit positiver Resonanz. Sie hoffen, dass sich die Länder untereinander austauschen und einheitliche Qualitätsstandards für Schulsozialarbeit entwickeln. Was sollte jede Stelle haben? Wofür ist sie genau da und welche Unterstützung brauchen die Schulsozialarbeitenden? All das sind Fragen, die länderübergreifend geklärt werden müssten, sagt Rahn. Verbesserte Rahmenbedingungen, sind Rahn und Bieringer überzeugt, sind entscheidend, damit Schulsozialarbeit für alle einen Nutzen hat.

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Veröffentlichung

So, 12. April 2026

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